13.10.2007

13. Oktober: Beijing, Residenzen, Hutongs










Das Wetter zeigt sich heute morgen nicht gerade von seiner fotoguenstigen Schokoladenseite. Die Welt erscheint heute in Beijing wie in Nebel getaucht und die Sonne ist morgens eine kleine fahle Orange und laesst sich bis mittags nur erahnen. Und da es auch noch recht frischlich ist, verschiebe ich den Besuch im Sommerpalast auf morgen und ziehe an, was der Kleiderschrank zu bieten hat: Langarmshirt, Fleecejacke, Regen/Windjacke und der hellgruene Paschmina-Schal aus Chengde. Bin durchaus froh um jede Faser am Leib, denn der bald einsetzende Regen laesst das Klima erstmal noch ungemuetlicher werden. Das ist also genau das richtige Wetter fuer innerhaeusliche Aktivitaeten und auch da weiss der Knowhow-Reisefuehrer fuer einen Langzeit-Touristenaufenhalt in Beijing interessantes und alles liegt nordwestlich des Kaiserpalast - wie guenstig. Und da sich die Strecke ziemlich zieht goenne ich mir mal wieder ein Taxi; Grundpreis 10Yuan, da kann man nicht meckern.

Das XuBeihong-Museum ist einem der grossen Maler Chinas gewidmet, der von 1895 bis 1953 lebte und vor allem fuer seine Pferdedarstellungen Beruehmtheit erlangte. Und die sind sicherlich auch etwas ganz Besonderes in seinem Werk. Zu sehen gibt es in dem Museum nur zwei Raeume mit Werken von Xu Beihong, in einem dritten werden Bilder anderer Kuenstler gezeigt, leider ohne Pinjin-Umschrift und von eher weitreichender kuenstlerischer Spannbreite. Wer Kunst nicht wirklich sehr mag, der braucht dieses Museum nicht unbedingt besuchen - finde ich.

Nach einem kleinen Spaziergang schaue ich mir ausgiebig die Residenz von Song Qingling an. Sie war zehn Jahre mit Dr. Sun Yat-sen (Vater der Republik) verheiratet und politisch bis ins hohe Alter fuer die kommunistische Partei aktiv. Es gibt zahlreiche Bilder aus dem Familienalbum und Staatsaufnahmen (Bilder 1-2) zu sehen und vor allem chinesische Touristen. Was diesen Besuch so besonders macht, ist die Prachtentfaltung der Familie Song, die hier lebten wie Adlige... Das Haus besteht auch hier aus verschiedenen Gebaeuden, in einem weitlaeufigen Park gelegen, mit einem kuenstlichen See, kuenstlicher Huegellandschaft und jeder Menge besonderer Steine, Baeumen, Grasflaechen; und das Grundstueck selbst liegt am Houhai-See, hinter hohen Mauern versteht sich. Hier uebrigens noch eine kleine Anekdote am Rande. Als Hochzeitsgeschenke bekam Song Qingling von ihrer Mutter (u.a.?) ein zauberhaftes mehrfarbiges Teeservice und einen gelben Kimono mit 100 daraufgestickten Kindern - sehr huebsch. Von Ihren Ehemann: einen Revolver.
Frau Song war offenbar bis ins hohe Alter politisch aktiv und hatte in den letzten 18 Lebensjahren ihr Arbeitszimmer im grossraeumigen Schlaftimmer im 1. Stock (Bild 3). Einige Fotos lassen vermuten, dass ihr zum Tode eine grosse poltitische Wuerdigung zuteil wurde. Das Gelaende wird militaerisch uebrigens gut von Soldaten bewacht.

Die ehemalige Residenz des Prinzen Gong liegt in der Liuyin Jie, neben einem Restaurant. Zu sehen ist viel Garten (wie bei der Familie Song), einige traditionelle Gebaeude, Steine, ein See mit weissen Enten und Lotus sowie ein Theater fuer Peking-Opern. Da auch hier viel gebaut wird, kann man nur Teile des Komplexes und wenig von den Lebensumstaenden des Prinzen sehen.

Die anschliessende Fahrt in einer roten Fahrrad-Rikscha bringt mich dann in das Innere des Houhai-nahen Hutongs (Bilder 4-8) an Orte, die ich sonst vielleicht nicht gefunden haette. Und das macht fuer mich das besondere an diesem Stadturlaub aus. Ich kann mich treiben lassen und muss nicht eine Besonderheit nach der anderen abhaken. Und einfach so losziehen kann ich hier wirklich unbesorgt.
Auf der 80Yuan-Rundfahrt, fahren wir zunaechst zu einer weiteren, wohl adeligen Residenz, die bislang in keinem Reisefuehrer steht - Quadralagong (oder so aehnlich). Und hier sehe ich zum ersten Mal eine vornehme traditionelle Hauseinrichtung, nicht eingestaubt, nicht hinter Glas, nicht hinter Absperrungen - fast zum Anfassen und zum ausgiebigen Fotografieren. Und: auf Kunst-Handwerk versteht man sich hier wirklich und die Athmosphaere ist ungleich lebensnaher. Eintritt: 20Yuan. Einstieg in die Rikscha beispielsweise am Ostufer des Huohai-Sees.
Aber auch der sportliche Anteil kommt heute nicht zu kurz. Die Tour fuehrt zum Trommelturm - und der Weg zu den teilweise riesigen Trommeln ist echt was fuer Gemsen... Man hat von hier oben einen schoenen Rundblick auf die umliegenden Hutongs und eine besondere Aussicht auf den Glockenturm. Diese beiden Gebauede standen sich uebrigens in Chengde auch meistens gegenueber, meistens im Eingangsbereich der Tempelanlagen. Und wenn ich mich recht entsinne, wurden morgens zum Aufstehen die Trommeln geschlagen und zum Feierabend die Glocken.

Den Abschluss des heutigen Besichtigungsprogramms mache ich heute in der Wangfujing - der Einkaufsstrasse (teilweise als Fussgaengerzone). Auch hier wird sehr fleissig gebaut. Und ich bedauere fast, die ganze Herrlichkeit nicht vollendet zu sehen. Auch in dieser Strasse und den Seitengassen: alles was das Konsumentenherz begehrt. Zum Beispiel ein Stoffladen mit Seiden und Baumwollen. Fuer alle Stoff- und Naehbegeisterten, ein Geschaeft zum "Niederknien". Und gestern habe ich sogar einen Occitane-Laden gesehen...

12.10.2007

12. Oktober: Beijing, Hutongs

Nach drei Tagen intensiver Kulturbetrachtung habe ich mir heute morgen einen ganzen "freien Tag" genehmigt. Aber im Zimmer sitzen (das gleiche ruhige, freundliche Nichtraucherzimmer im "Grand Mercure Xidan" wie vor drei Tagen :-) ist ja auch nicht das Wahre. Und was gibt es entspannenderes als ueber einen Antikmarkt zu schlendern und die Hutongs einfach so zu durchstreifen...

Der Antikmarkt in Beijing - zumindest den, den ich im Reisefuehrer gefunden habe, umfasst gerade mal eine Strasse, klein und fein und beileibe nicht so ueppig wie in Shanghai. Es gibt hier einiges Huebsche zu finden, dass aus der Antik-Masse heraussticht. Mittlerweile glaube ich wirklich, dass einige der als antik verkauften Gegenstaende in grossen Mengen hergestellt werden. Wie waere es sonst zu erklaeren, dass man fast gleich aussehende Stuecke in vier verschiedenen Staedten kaufen kann... Seis drum, auch die LiulichangJie hat besonderes zu bieten und bei einigen Sachen kann ich einen recht guten Preis fuer schoene Einzelstuecke erhandeln - und ein Geschaeft machen die Haendler trotzdem.
Nicht weit von der LiulichangJie geht es in die noch erhaltenen Hutongs von Beijing. So nennt man hier die Gassen der alten Viertel. Ein Teil dieser traditionellen und lebhaften - wenn auch zugegebenermassen sehr schlichten - Gassen steht zum Abriss an. Viele Gebaeude tragen schon das Cha-Zeichen fuer den bevorstehenden Abriss und vor allem viele aeltere Menschen verlieren so ihr gewohntes Zuhause.

Anstelle der sehenswerten Hutongs, in denen die Waesche auf der Strasse haengt (weil hier gar kein Auto durchkommt), manchmal auf der Gasse gekocht wird, man jede Menge Hunde zu sehen bekommt (aber nicht eine Tretmine) und man unglaublich viel Leben sieht, entstehen (noch mehr) Bank- und Buerogebaeude, Hotels, Einkaufspalaeste.

Nachtrag: Bis zu meiner Abreise habe ich mir einige Hutongs angesehen und bin immer wieder begeistert von der lebensvollen Athmosphaere. Und es scheint sie zum Glueck noch ausgepraegt zu geben. In einigen Hutong-Vierteln wird anscheinend so verfahren, dass man nur die aeusseren Raender der Hutongs, die an grossen mit Autos befahrbaren Strassen liegen, mit modernen Gebaeuden umgibt. Die Gassen dahinter bleiben (erstmal) bestehen.

11.10.2007

11. Oktober: Grosse Mauer






Der Besuch der Grossen Mauer bei Jinshanling gehoert fuer mich zu den Hoehepunkten dieser Reise. Schon vor meiner Abreise hatte ich mir eine Panorama-Postkarte der Mauer gekauft und mir die Szenerie ausgemalt - was aber nicht vollstaendig gelang. Die eigene Erfahrung macht dann doch den Unterschied und bewegt mich sehr (Bilder 1-4)

Der Weg auf die Mauer, denn das gehoert an diesem Mauerstueck einfach dazu, fuehrt ueber teilweise steile Treppen, die aber (fast) nichts sind im Vergleich zu den steilen Stufen, die von Turm zu Turm fuehren. Denn nicht genug, dass die Grosse Mauer auf Bergruecken verlaeuft, es gibt in Abstaenden von etwa 100 Metern auch Wach-Tuerme, teilweise mit huebschen Daechern geschmueckt. Und auch die machen die Szenerie so besonders. Ich versuche mal zu beschreiben, was mich hier beruehrt: Der Blick ins Land ist von einer Ruhe und Schoenheit, die ihres gleichen sucht. Trotz des leichten Dunstwetters kann man die umliegenden zahlreichen Berge gut erkennen, die in mehreren Reihen hintereinander liegen. Das erweckt den Eindruck von Unendlichkeit und unglaublicher Stille, denn hier sind nur ganz wenige Touristen. Die sind wohl meistens in Badaling (Mauerstueck bei Beijing). Und von jedem Turm aus bietet sich ein anderer Ausblick auf die erfurchtgebietende Mauer und in die bewaldete Landschaft.

Ich habe auf dem Weg von und nach Chengde noch andere Teile der Mauer gesehen, die (noch) nicht restauriert sind (Bild 5). Immerhin war dieser Verteidigungswall gegen mongolische Truppen in seinen ausgedehntesten Zeiten (zum Ende der Han-Zeit, 220 n.Chr.) gut 10.000 Kilometer lang. Erst im 14. Jahrhundert bekam sie wohl ihre heute bekannte, imposante Form: mit Steinplatten und Ziegelsteinen ummantelt und hatte da immer noch eine stolze Laenge 6.350 Kilometer. An der Basis ist die Mauer sieben Meter dick, oben sechs Meter. Ihre Hoehe betraegt sie sieben bis neun Meter und erreicht teilweise 16m. (Reise-Knowhow, S.289-291)

9. Oktober: Reise nach Chengde






Heute morgen geht es in aller Fruehe nach Chengde. Das heisst fuer diesen Tag: 4Uhr aufstehen, 5:30Uhr Abholung durch die Vorortreiseagentur, Fahrt mit dem Taxi zum Bahnhof (10Min.), Abfahrt um 6:30Uhr, Zugfahrt mit nur einem Zwischenstop, Ankunft 10:45Uhr in Chengde, Fahrt zum Hotel, Tag "zur freien Verfuegung".

Um diese fruehe Uhrzeit scheint in den Strassen von Beijing noch kaum jemand unterwegs zu sein, bis auf ein paar vereinzelte Taxifahrer. Aber am Hauptbahnhof ist echt was los und es gibt viel zu sehen.
Auch dieses Gebaeude wirkt imposant mit meterhohen Decken und tollen Kandelabern im Artdeco-Stil, dazu in den Wartesaelen Plastikschalensitze in kraeftigem Orange... Auf einer LED-Anzeige steht der Warteraum fuer den Zug und der ist schon gut gefuellt; teilweise mit Menschen, die auf Zeitungen liegend noch etwas schlafen, oder nur auf ihren Sitzplaetzen doesen, schon die erste Suppe loeffeln oder einfach nur warten. Puenktlichst eine halbe Stunde vor Abfahrt des Zuges kommt eine Ansage ueber Lautsprecher und man kann den Wartesaal verlassen und ueber eine Gleisbruecke zum Zug gehen, der dort abfahrbereit steht. Ich habe einen reservierten Sitzplatz am Fenster in der "Softseat"-Klasse mit gruenen Schonbezuegen (Bild 1), Gardinen an den Fenstern, eine Vierersitzgruppe fuer mich allein und einem Heisswasserbereiter um die Ecke :-)

Die Fahrt ist sehr kurzweilig durch eine immer huegeliger werdende Landschaft (Bild 2), viel Wald, viel Landschaft, kleinen Doerfern, einigen Gewaessern und viel Gruen. Hier ist der Herbst schon gut sichtbar und die leuchtenden Toene sind das rot der Essigbaeume und das Gelb der Maiskolben, die auf jedem sich bietenden Platz (Flachdach, in Koerben, auf der Fensterbank) gelagert werden.

Chengde selbst ist ein Staedtchen mit 300.000 Einwohnern in der Stadt selbst; mit Umland sind es 2 Millionen Menschen. Chengde wirkt auf mich aermlich und schmuddelig, aber keineswegs deprimierend. Auch hier ist viel Tatkraft und Fleiss, nur das Tempo scheint etwas anders.

Da das Wetter heute einen schoenen Fotohimmel bereit haelt besuche ich schon am fruehen Mittag die Sommerresidenz (Eintritt 90 Yuan), die touristische Hauptsehenswuerdigkeit in Chengde. Das ist ein weitlaeufiges Gelande in einer wunderschoen bewaldeten, huegeligen Landschaft, umgeben von einer Grenzmauer und gelegentlich geschmueckt mit einem kaiserlichen Gebaeude. Der Qing-Kaiser Kangxi hat sich diesen Platz ausgesucht und Kaiser Qianlong hat hier weiterarbeiten lassen. Und gestaltet wurde ein schoenes Fleckchen Erde, an dem es sich wohl gut sechs Monate im Jahr zubringen, regieren, jagen und wohl auch privater sein laesst. Ich bin sehr angetan von dieser naturnahen Anlage und den schoen aber nicht protzig verzierten Gebaeuden. Der Gebaeude- und Ausstattungs-Stil aehnelt dem im Beijinger Kaiserpalast, wirkt nur "rustikaler", weil man das Holz sieht und nicht jedes Fleckchen bemalt ist. Nach einem ausgiebigen Spaziergang durch die ersten Gebaeude und ein Kiefernwaeldchen besteige ich einen der Busse (40 Yuan), die binnen einer Stunde 11km innerhalb des Gelaendes abfahren und zwei Mal einen Fotostop machen. Von diesen Stellen aus hat man wirklich den schoensten Ausblick auf das Gelaende und die Umgebung - und das bei schoenem Herbstwetter. Leider ist der Bus an den Seiten offen. Das ist zwar schoen zum fotografieren aber echt zugig. Da bin ich froh um meine Neuerwerbung, einen gruenen Paschmina-Schal fuer 20 Yuan.
Bemerkenswert sind die vielen Menschen, vor allem Frauen, die in diesem unwegsamen Gelaende jenseits der schmalen Fahrstrasse das hohe Gras von Hand maehen.
Und dann die Hirsche, die hier ganz selbstverstaendlich und wenig scheu herumlaufen. Ein wirklich schoener Nachmittag und ein erfreulicher Einstieg fuer Chengde. (Bilder 3-5)

10.10.2007

8. Oktober: Beijing, Kaiserpalast...









Nachdem ich den Bertolucci-Film "Der letzte Kaiser" so mag, steht als wirklich erster Besichtigungspunkt heute fuer mich auf dem Plan: der ehemalige Kaiserpalast, erbaut 1421. Das 720.000qm umfassende Areal mit rund 9.900 Raeumen wird auch "Verbotene Stadt" genannt, weil kein gewoehnlicher Sterblicher die Tore passieren durfte (Reiseknowhow, S. 264). Heute ist das etwas anders als zu Kaisers Zeiten. Will man heute in den Kaiserpalast - und das will man als Beijing-Reisende(r) mit hoher Wahrscheinlichkeit - geht man durch eines der Tore unter dem Mao-Bildnis an Tiananmen-Platz.
Danach folgen erstmal meterhohe und ellenlange Gaenge, die einem durchaus das Gefuehl von Unbedeutendheit und Kleinsein vermitteln. Nach den Gaengen: ein grosser umbauter Platz mit jeder Menge Verkaufsstaende und diversen Haendlern. Lebensmittelmaessig braucht man sich hier uebrigens nicht mehr einzudecken, denn auf dem Gelaende gibt es von gutem Kaffee ueber Wasser bis zu netten Teigwaren so einiges zu zivilen Preisen zu kaufen.

Fast am Ende des Platzes hinter einer Gitter-Absperrung sind links und rechts die Tickethaeuschen fuer den Eintritt von 60Yuan. Dann ist es endlich soweit; der Eingang zum Kaiserpalast durch das sogenannte Mittagstor, "Wumen". Und dann kann man endlich eintauchen in kaiserliche Architektur, die ihresgleichen sucht. Ich lasse ich mich wider bessere Ratschlaege von den Touristenmassen mittragen; aber das ist fuer mich okay, denn das gehoert heute zu diesem Gelaende fuer mich dazu. Und ich weiss gar nicht, ob ich wirklich die richtigen Worte fuer eine treffende Beschreibung finde, versuchen werde ich es.
Da ist zunaechst das Nebeneinander von Repraesentationsgebaeuden (die sehr gross wirken, weil sie auf stufenreichen Podesten stehen) und fast beengten, verwinkelt angelegten, zahllosen kleinen Wohngebaeuden. Und das unbestimmte Gefuehl der zehn Meter hohen Mauer, die das Gelaende komplett umschliesst. In diesem Palast findet auch (verstaendlicherweise) kein wirkliches (kaiserliches) Leben statt; einiges wirkt dadurch wie Staffage, leblos und doch ist da eine zu ahnende Fuelle jahrhundertelanger Erlebnisse von lebenden Menschen, deren Spuren man aber nicht wirklich sehen kann. Die meisten Gebaeude sind uebrigens leer und nur in einigen werden reduziert erscheinende Ausstellungen gezeigt, so Gegenstaende in der Raeumlichkeiten der Kaserinwitwe Cixi, im sogenannten "Palast des immerwaehrenden Fruehlings".

Bemerkenswert sind die Throne, die es in einigen Gebaeuden zu sehen gibt. Sie sind relativ niederbeinig, deutlich sitzbreit, haben eine Rueckenlehne und Sitz- sowie Rueckenpolster. Sie sehen nicht wirklich bequem aus, wirken aber durch die dahinter stehenden dunklen Holzparavents maechtig.
Und dann sind da noch die Ausschmueckungen. Man koennte den Eindruck gewinnen, hier ist jeder Balken, jede Dachsparre kunstvoll bemalt, beschnitzt oder sonstwie eindrucksvoll verziert. Man weiss gar nicht wohin man blicken soll, vor lauter Fuelle und Herrlichkeit. Auf allen Daechern finden sich an den geschwungenen Enden Figurengruppen (Bild 2). Die auesserste Figur zeigt einen kleinen Reiter, der auf einem Wasserwesen (Seepferdchen?) sitzt. Diese Figuren sollen die durchweg aus Holz konstruierten Daecher vor Feuer schuetzen.
Und dann ist da auch der langsam fortschreitende Verfall, die Fuelle und die Bilder der Vergangenheit im Kopf...


Nach dem ausfuehrlichen Besuch des Kaiserpalast, erklimme ich nach fuenf Stunden den Jingshan-Park, den sogenannten Kohlehuegel. Der liegt direkt am Ausgang des Kaiserpalasts und will erklettert sein. Schoen ist der ausgiebige Blick auf die gesamte Palastanlage und die Natur. Und da ich dann immer noch nicht genug habe und der Kaffee im Palastgarten wirklich ausgezeichnet war, schlendere ich noch durch den Beihai-Park. Der ist fast doppelt so lang wie das Palastgelaende und gehoerte wohl dereinst zum kaiserlichen Anwesen, mit jeder Menge Seengelaende, schoenen Spazierwegen, verzierten Gebaeuden und inszenierten Felsbrocken, die die Natur bizarr geformt hat. Die Athmosphaere dieser naturnahen Gelaende ist erfreulich erholsam fuer mich.

7. Oktober: Beijing, Tian'anmen-Platz




Beijing ist wahrhaft eine Hauptstadt: imposant, repraesentativ, grosszuegig. Beijing, uebersetzt "noerdliche Hauptstadt", liegt nordoestlich von Shanghai im Landesinnern. Der Flug dorthin dauert rund zwei Stunden - und dann taucht man in eine voellig andere Welt ein, mit einem ganz eigenen Reiz. Die Stadt ist nicht so hoch gebaut, das heisst, die Wolkenkratzer dominieren hier nicht so das Stadtbild wie in Shanghai (denn es gibt hier kaum welche) und alles ist unglaublich weitlaeufig und grosszuegig angelegt - besonders die Boulevards/Avenuen/meterbreiten Alleen. Haeufig sieht man die chinesische Nationalflagge auf/an/vor Gebaeuden; und ganze Heerscharen von kamerascheuen Maennern in blauer oder gruener Uniform - Polizei, Armee...?

Mein nachmittaeglicher erster Bummel durch Beijing fuehrt mich nach einem kurzen Ausflug in einen fuenfgeschossigen Buecherladen an den Tian'anmen-Platz, den "Platz (am Tor) des Himmlischen Friedens. Ein riesiges Gelaende, auf dem sich ganz viele Menschen (vor allem chinesische, kamerabeflissene Ausfluegler) tummeln, fliegende Haendler und hilfsbereite Fremdenfuehrer gerne auf weisse Touristen zugehen. Umgeben ist der Platz von zahlreichen, offizioes aussehenden Gebaeuden, die schoen beflaggt sind.
Dominierend wirkt auf mich das Portrait Mao Zedongs, das direkt am Tor haengt. Auf dem ueberlebensgrossen Bildnis laechelt er milde auf die Betrachter. Das Tor ist eigentlich ein breites Gebaeude mit einer Art traditionellem Tempelgebaeude auf dem Dach, das einige Durchgaenge hat, in die man ueber kleine weisse Bruecken kommt. Links und rechts wird das Gebaeude von meterhohen roten Mauern gesaeumt.

Auf der Suche nach einem abendlichen Snack wende ich dem Platz vorerst den Ruecken und suche in Richtung meines "Grand Mercure Xidan"-Hotel ein kleines schnuffiges Lokal und wette innerlich mit mir, welche der grossen Fastfoodketten hier wohl in der Naehe des Stadtherzens die Nase vorn hat.





Und es ist tatsaechlich Kentucky Fried Chicken, abgekurzt mit KFC.

Das Hotel ist uebrigens recht schoen und durchaus empfehlenswert; es sei denn, man moechte von der Business-Lounge aus das Internet nutzen. Das ist hier mit 2 Yuan je Minute vergleichsweise teuer.