Nach drei Tagen intensiver Kulturbetrachtung habe ich mir heute morgen einen ganzen "freien Tag" genehmigt. Aber im Zimmer sitzen (das gleiche ruhige, freundliche Nichtraucherzimmer im "Grand Mercure Xidan" wie vor drei Tagen :-) ist ja auch nicht das Wahre. Und was gibt es entspannenderes als ueber einen Antikmarkt zu schlendern und die Hutongs einfach so zu durchstreifen...
Der Antikmarkt in Beijing - zumindest den, den ich im Reisefuehrer gefunden habe, umfasst gerade mal eine Strasse, klein und fein und beileibe nicht so ueppig wie in Shanghai. Es gibt hier einiges Huebsche zu finden, dass aus der Antik-Masse heraussticht. Mittlerweile glaube ich wirklich, dass einige der als antik verkauften Gegenstaende in grossen Mengen hergestellt werden. Wie waere es sonst zu erklaeren, dass man fast gleich aussehende Stuecke in vier verschiedenen Staedten kaufen kann... Seis drum, auch die LiulichangJie hat besonderes zu bieten und bei einigen Sachen kann ich einen recht guten Preis fuer schoene Einzelstuecke erhandeln - und ein Geschaeft machen die Haendler trotzdem.
Nicht weit von der LiulichangJie geht es in die noch erhaltenen Hutongs von Beijing. So nennt man hier die Gassen der alten Viertel. Ein Teil dieser traditionellen und lebhaften - wenn auch zugegebenermassen sehr schlichten - Gassen steht zum Abriss an. Viele Gebaeude tragen schon das Cha-Zeichen fuer den bevorstehenden Abriss und vor allem viele aeltere Menschen verlieren so ihr gewohntes Zuhause.
Anstelle der sehenswerten Hutongs, in denen die Waesche auf der Strasse haengt (weil hier gar kein Auto durchkommt), manchmal auf der Gasse gekocht wird, man jede Menge Hunde zu sehen bekommt (aber nicht eine Tretmine) und man unglaublich viel Leben sieht, entstehen (noch mehr) Bank- und Buerogebaeude, Hotels, Einkaufspalaeste.
Nachtrag: Bis zu meiner Abreise habe ich mir einige Hutongs angesehen und bin immer wieder begeistert von der lebensvollen Athmosphaere. Und es scheint sie zum Glueck noch ausgepraegt zu geben. In einigen Hutong-Vierteln wird anscheinend so verfahren, dass man nur die aeusseren Raender der Hutongs, die an grossen mit Autos befahrbaren Strassen liegen, mit modernen Gebaeuden umgibt. Die Gassen dahinter bleiben (erstmal) bestehen.
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