11.10.2007

9. Oktober: Reise nach Chengde






Heute morgen geht es in aller Fruehe nach Chengde. Das heisst fuer diesen Tag: 4Uhr aufstehen, 5:30Uhr Abholung durch die Vorortreiseagentur, Fahrt mit dem Taxi zum Bahnhof (10Min.), Abfahrt um 6:30Uhr, Zugfahrt mit nur einem Zwischenstop, Ankunft 10:45Uhr in Chengde, Fahrt zum Hotel, Tag "zur freien Verfuegung".

Um diese fruehe Uhrzeit scheint in den Strassen von Beijing noch kaum jemand unterwegs zu sein, bis auf ein paar vereinzelte Taxifahrer. Aber am Hauptbahnhof ist echt was los und es gibt viel zu sehen.
Auch dieses Gebaeude wirkt imposant mit meterhohen Decken und tollen Kandelabern im Artdeco-Stil, dazu in den Wartesaelen Plastikschalensitze in kraeftigem Orange... Auf einer LED-Anzeige steht der Warteraum fuer den Zug und der ist schon gut gefuellt; teilweise mit Menschen, die auf Zeitungen liegend noch etwas schlafen, oder nur auf ihren Sitzplaetzen doesen, schon die erste Suppe loeffeln oder einfach nur warten. Puenktlichst eine halbe Stunde vor Abfahrt des Zuges kommt eine Ansage ueber Lautsprecher und man kann den Wartesaal verlassen und ueber eine Gleisbruecke zum Zug gehen, der dort abfahrbereit steht. Ich habe einen reservierten Sitzplatz am Fenster in der "Softseat"-Klasse mit gruenen Schonbezuegen (Bild 1), Gardinen an den Fenstern, eine Vierersitzgruppe fuer mich allein und einem Heisswasserbereiter um die Ecke :-)

Die Fahrt ist sehr kurzweilig durch eine immer huegeliger werdende Landschaft (Bild 2), viel Wald, viel Landschaft, kleinen Doerfern, einigen Gewaessern und viel Gruen. Hier ist der Herbst schon gut sichtbar und die leuchtenden Toene sind das rot der Essigbaeume und das Gelb der Maiskolben, die auf jedem sich bietenden Platz (Flachdach, in Koerben, auf der Fensterbank) gelagert werden.

Chengde selbst ist ein Staedtchen mit 300.000 Einwohnern in der Stadt selbst; mit Umland sind es 2 Millionen Menschen. Chengde wirkt auf mich aermlich und schmuddelig, aber keineswegs deprimierend. Auch hier ist viel Tatkraft und Fleiss, nur das Tempo scheint etwas anders.

Da das Wetter heute einen schoenen Fotohimmel bereit haelt besuche ich schon am fruehen Mittag die Sommerresidenz (Eintritt 90 Yuan), die touristische Hauptsehenswuerdigkeit in Chengde. Das ist ein weitlaeufiges Gelande in einer wunderschoen bewaldeten, huegeligen Landschaft, umgeben von einer Grenzmauer und gelegentlich geschmueckt mit einem kaiserlichen Gebaeude. Der Qing-Kaiser Kangxi hat sich diesen Platz ausgesucht und Kaiser Qianlong hat hier weiterarbeiten lassen. Und gestaltet wurde ein schoenes Fleckchen Erde, an dem es sich wohl gut sechs Monate im Jahr zubringen, regieren, jagen und wohl auch privater sein laesst. Ich bin sehr angetan von dieser naturnahen Anlage und den schoen aber nicht protzig verzierten Gebaeuden. Der Gebaeude- und Ausstattungs-Stil aehnelt dem im Beijinger Kaiserpalast, wirkt nur "rustikaler", weil man das Holz sieht und nicht jedes Fleckchen bemalt ist. Nach einem ausgiebigen Spaziergang durch die ersten Gebaeude und ein Kiefernwaeldchen besteige ich einen der Busse (40 Yuan), die binnen einer Stunde 11km innerhalb des Gelaendes abfahren und zwei Mal einen Fotostop machen. Von diesen Stellen aus hat man wirklich den schoensten Ausblick auf das Gelaende und die Umgebung - und das bei schoenem Herbstwetter. Leider ist der Bus an den Seiten offen. Das ist zwar schoen zum fotografieren aber echt zugig. Da bin ich froh um meine Neuerwerbung, einen gruenen Paschmina-Schal fuer 20 Yuan.
Bemerkenswert sind die vielen Menschen, vor allem Frauen, die in diesem unwegsamen Gelaende jenseits der schmalen Fahrstrasse das hohe Gras von Hand maehen.
Und dann die Hirsche, die hier ganz selbstverstaendlich und wenig scheu herumlaufen. Ein wirklich schoener Nachmittag und ein erfreulicher Einstieg fuer Chengde. (Bilder 3-5)

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