Morgen, am 7. Oktober, reise ich nach Beijing, der noerdlichen Hauptstadt. Dort erwarten mich in jedem Fall die Inbegriffe der China-Reisenden: Verbotene Stadt, Sommerpalast, Grosse Mauer. Ich freue mich drauf, bin aber auch schon ein bisschen aufgeregt.
Wie es da mit Internet-Moeglichkeiten steht, vermag ich derzeit nicht einzuschaetzen. Deshalb sage ich fuer heute mal: bis demnaechst :-)
Und: Ganz herzlichen Dank fuer Eure lieben Mails und die wohlwollenden Kommentare, die mich weiter inspirieren, genauer hinzuschauen.
06.10.2007
Shanghai: Hochhaeuser
(Auch) von den Hochhaeusern in Shanghai bin ich aufrichtig begeistert. Ich habe in den letzten Jahren so manches Hochhaus angeschaut, aber die Vielfalt dieser Fuelle von Gebaeuden schlaegt alles bislang Gesehene. Angeregt durch die Toblerone-Haeuschen habe ich in den letzten Tagen bewusst bei meinen Fototouren auf architektonische (Sonder-)Formen und Dachaufsaetze geachtet und manches Besondere entdecken koennen. Hier eine Auswahl meiner persoenlichen "Schoenheiten".
4. Oktober: Koreaner, Jinmao
Nach einem wohltuend entspannten Morgen im Guangqi-Park geht es heute nochmal zum Einkaufen in die Altstadt von Shanghai, am Westufer des Huangpu. Hier gibt es neben zahllosen kleinen Laeden, Strassenhaendlern, den allgegenwaertigen Uhrenverkaeufern, einem "Fake"-Markt (Imitationen aller Art) auch ein kleines Kaufhaus in der "Nanlu Henan" mit "Antiquitaeten". Hier laesst es sich entspannt einkaufen und einige Schaetzchen erinnern mich stark an jene im Antikmarkt. Hier sind zwar fast alle Objekte ausgepreist, aber eine Bereitschaft zu Preisverhandlungen findet sich auch hier ;-) Nach einer durchaus erfolgreichen Einkaufstour geht es heute am fruehen Abend in ein koreanisches Restaurant, denn heute steht auch noch ein Nachtprogramm auf der Ereignisplanung.
Am Empfang des Restaurants (wie nicht unueblich in einer der Malls) stehen Asiatinnen in traditioneller koreanischer Tracht (kimonoaehnlich, mit langem weiten Rock und einer Art Bolero mit grosser Schleife) und sehen darin sehr authentisch und schmuck aus. Waehrend wir auf einen freien Tisch warten haben wir Zeit, die bebilderte und reichhaltige Speisekarte zu studieren. Insgesamt finden sich drei Gerichte mit "Hund", von denen wir aber spaeter keines auswaehlen.
Basis dieser koreanischen Kueche ist ueber Kohle gegrilltes, in feine Scheiben geschnittenes Fleisch und Gemuese. Das erinnert ein bisschen an einen deutschen Grillabend (Bild 1). In der Mitte des Tisches befindet sich ein runder, etwa 50cm tiefer Einlass. In diesen wird ein Becken mit gluehender Kohle gestellt (Bild 2). Darauf kommt eine metallene Abdeckung, die als Grillrost dient (Bild 3). Das kurz gegrillte Fleisch, die gegrillten Enoki-Pilze, die Moehren- Zucchini- oder Kartoffelscheiben werden dann in ein Blatt gruenen Salat gewickelt, mit Wuerz-Oel oder Sojasauce ergaenzt, zu einem Paeckchen verpackt und dann mit der Hand gegessen - hier ist einmal mehr Geschick im Umgang mit den Ess-Staebchen und beim "Einparken" angesagt. Dazu trinken wir Tsingtao-Bier.
Nach dem erfreulichen Abendessen fahren wir mit dem Taxi zum Jinmao-Tower. Taxifahren ist hier vergleichsweise guenstig - wenn man denn eines bekommt. Der Grundpreis betraegt tagsueber derzeit 11Yuan und dann geht es im 1Yuan-Takt weiter. Nachts ist es teurer, aber innerhalb der Stadtmitte (und die ist in Shanghai ziemlich gross) haben wir bislang nicht mehr als 25Yuan gezahlt.
Der Jinmao-Tower (Bilder 4 und 5) liegt am oestlichen Ufer des Huangpu im Stadtteil Pudong. Das Gebaeude ist einer 13stoeckigen Pagode nachempfunden und misst stolze 420m. Vom 55. bis 88. Stock kann man im Hyatt Regency "residieren". Im 87/88. Stock befindet sich eine Bar mit Ausblick auf das naechtliche, erleuchtete Shanghai. Mindestverzehr: 120Yuan pro Person. Hier viel Geld auszugeben faellt eher leicht, denn die Cocktails kosten 90€, dafuer zeigt die Getraenke-Karte eine grosse Auswahl an Drinks. Ich entscheide mich fuer einen "Blue Shanghai": Gin, Weisswein, Orangenlikoer, blauer Curacao, Limonensaft - einen der Haus-Specials. Der Blick von hier oben ist wirklich sehenswert, auch wenn man nicht auf alle Seiten der Stadt schauen kann. Beruehmt ist das Gebaeude auch fuer seinen Blick ins Hoteltreppenhaus (Bild 6).
Ausflug nach WuZhen am 3.10.
Heute geht es schon um 8:45Uhr nach WuZhen, einer der sogenannten Wasserstaedte suedlich des Jangzi. Und das bedeutet: Ticketkauf am Vortag, Aufstehen schon um 6Uhr, Fahrt zum Suedbahnhof mit der Metro, reservierte Sitzplaetze in einem klimatisierten und rudimentaer stossgedaempften Ueberlandbus und ausschliesslich mitreisende Chinesen. Die sind wohl ebenfalls an einer 2,5stuendigen Nonstop-Ausflugsfahrt aufs Land interessiert und nutzen die Zeit bis zur Ankunft fuer ein Schlaefchen.
WuZhen hat wohl aehnliches zu bieten wie Suzhou. Das besondere an WuZhen ist, dass der alte Ortsteil an Wasserkanaelen gebaut ist. Viele Haeuser liegen unmittelbar am Wasser und ragen teilweise ueber das Ufer hinaus (Bild 1). Bei anderen fuehrt der Zugang zum Wasser ueber einen gepflasterten, hoeherliegenden Uferweg, mit Treppen zum Fluss. Steinbruecken (teilweise sehr schmal oder ohne Gelaender!) verbinden die Ufer. Die Haeuser sind etwa 100 Jahre alt und groesstenteils aus Holz gebaut, mit geschnitzten Tueren und Fensterlaeden. Man kann die Stadt gut zu Fuss erkunden, denn alles liegt in einem klar definierten Gebiet. Der Eintrittspreis fuer dieses Altstadt-Museum ist im Fahrpreis von 15€ (Hin- und Rueckfahrt) enthalten. Schoen ist auch eine kleine Bootsfahrt :-) ueber die Kanaele fuer 8€. Dieses Holzkaehne werden von einem "Gondoliere" mit einem grossen Ruder, das an einem dicken Seil mit dem Boot verbunden ist, fortbewegt. Die Fahrgaeste sitzen auf Holzbaenken unter einem Sonnendach. Fuer diesen Schatten sind wir dankbar, denn auch heute klettert das Thermometer auf (mindestens) 30Grad. Schoen fuer die Touristen ist, das man in einige Haeuser hineinblicken kann, die durchaus geraeumig wirken und hohe Decken haben. Fuer die Kulturinteressierten gibt es noch Ausstellungen zu diesen Themen: Blau/Weissfaerberei (Bild 2), Reisweinherstellung (Geruch aehnlich der Gaerung beim Federweissen), geschnitzte Betten aus der Qing-Dynastie (1644-1911) aus dieser Region, Seideverarbeitung. Der Ort wirkt liebevoll gealtert und hat etwas besonderes.
Auch in WuZhen ist der Geschaeftssinn sehr ausgepraegt: Bambusschnitzereien, Bekleidung (viel blaues) aus Baumwolle oder Seide, Seidenstickbilder, Tuschepinsel in unterschiedlichsten Groessen (auch Reibsteine und Tuschesteine), Suesswaren aus Sesam (erinnert an Halva), Reiswein und vieles mehr. Zu Essen gibt es ausschliesslich traditionelle chinesische Kueche. Zunaechst goennen wir uns kleine Vorspeisen von einer der Strassen-Garkuechen (Bild 3): Reiskuechlein mit einer leckeren Fuellung aus gedaempftem oder fermentiertem Kraut. Gut sind auch die in Blaetter eingewickelten, gewuerzten Reisportionen. An den sogenannten Stinke-Tofu wage ich mich nicht - der Geruch ist eher etwas fuer Kenner... Das Essen wird uebrigens in kleinen Plastiktueten "gereicht" - und die Speisen sind teilweise richtig gut heiss. Da wir nach einem ausgiebigen Gang durch die Altstadt etwas erschoepft sind, kehren wir zu Tee und weiteren traditionellen Speisen in ein Lokal ein. Zum Glueck gibt es ein Blatt, auf dem Speisen auch auf englisch stehen, denn eine bebilderte Speisekarte gibt es hier nicht. Diesmal sitzen wir in einem abgetrennten Raum. Davon gibt es in dem Lokal einige. Die Speisen kommen nacheinander auf den Tisch. Dazu gibt es in jedem Fall Tee - aehnlich Jasmintee nur nicht so blumig; wahlweise Coca Cola oder Erdbeersaft aus der Dose. Gewuerzt sind die Speisen auch hier ausgesprochen lecker und die (ueberwiegenden) Fleischspeisen werden mit Fett und Knochen serviert. Von dem obligatorischen Schweinefleisch suess-sauer ist hier nichts zu sehen. Wir suchen wieder mehrere Gerichte aus und jeder greift aus der Mitte mit Essstaebchen zu. Besonders lecker finde ich das vegetarische Gericht Pilze mit Gurke: Verschiedene Pilze sind kraeftig angebraten und mit einem Gemuese von Gurken-Blaettern geduenstet. Das Gruen erinnert an die Konstistenz von gegartem Blattspinat, macht aber nicht das pelzige Gefuehl.
Ein kleiner Wermutstropfen ist fuer mich hier doch dabei. Durch die zweifellos idyllische, sehr sehenswerte und auch enge Altstadt stroemen hunderte von weiteren Touristen (Bild 4). Da findet sich dann kaum ein Plaetzchen zum entspannten Verweilen. Aber wir troesten uns mit dem Gedanken an das in diesen Tagen sicherlich noch uberfuelltere Suzhou...
Wir haben uns uebrigens nur den Altstadtteil angeschaut. Dafuer hat die Zeit bis zur Abfahrt des Busses (16:05Uhr) gut gereicht. Im Vorbeifahren hat WuZhens "Neustadt" auch nicht sooo sehenswert ausgesehen. Aber die Landschaft zwischen Shanghai und WuZhen gefaellt mir sehr gut. Von der Autobahn sieht alles sehr saftig gruen aus. Vereinzelt liegen (nachdem wir die 20Millionenstadt Shanghai verlassen haben) kleine Doerfer. Es gibt viele Gewaesser: Teiche, Fluesschen, Kanaele. Ueppig wachsen hier Oleander, Bambus, Strauchhibiskus, Lotus, Nadelbaeume. Aber die meisten Pflanzen kenne ich nicht.
Noch ein paar Worte zur Fahrt. Der chinesische Busfahrer war formell gekleidet mit weissem Hemd und langer Stoffhose, dazu weisse Handschuhe. Er hat uns sicher und sehr zuegig meist auf der linken Spur (hier gilt Rechtsverkehr) der meist gebuehrenpflichtigen zweispurigen Autobahn gefahren. Der Standstreifen ist hier uebrigens so wie eine normale Fahrspur und wird auch gerne als Ueberholspur genutzt. Notrufsaeulen habe ich keine gesehen - vielleicht weil hier jeder ein Handy hat, der sich eine Autofahrt leisten kann...
Nach dem Ausflug sind wir ziemlich erschoepft von den vielen Eindruecken, den vielen Mitmenschen - und hungrig. Und weil wir heute schon chinesische Kueche hatten - uebrigens mein erstes Mal - gibt es sie heute abend gleich nochmal - allerdings genossen in einem Restaurant mit gehobener traditioneller Karte. Da ist dann auch das Ambiente wirklich sehr erfreulich und gepflegt. Eingangs gibt es Qualle (leicht knorpelige Konsistenz, da getrocknet und dann mariniert), eingelegten Tofu (sehr fein), kleine Teigroellchen mit zarter Hirtentaeschel-Fuellung (Bild 5). Die naechsten Speisen sind: gedaempftes Huehnchen mit Esskastanie, gebratenes Rindfleisch mit Spargel belegt mit weissem Muschelfleisch, Fisch mit fermentiertem Kraut, Gemuese von gruenem Spargel und als Dessert einen Reiskuchen mit kandidierten Fruechten. Gesamturteil: sehr lecker und - ich kann hier wirklich sehr gut auf suess-sauer verzichten :-)
02.10.2007
1. Oktober, Bootsfahrt auf dem Huangpu
Bootfahren ist es etwas, das ich gerne tue. Und in einer Stadt wie Shanghai mit dem Huangpu - deutlich breiter als der Rhein - werden auch Schiffsfahrten angeboten. Das freut mein Fische-Herz.
Am ersten Tag der sogenannten "Goldenen Woche" (China hat nur zwei kollektive Urlaubswochen), der hier auch Nationalfeiertag ist, erleben wir ab 14Uhr eine drei-Stundentour Richtung Jangzi-Delta. Vorbei geht es an der Pudong-Skyline mit dem Fernsehturm, gigantischen Schiffswerften, Faehranlegestellen (der Fluss hat nur ein paar Bruecken) und unzaehligen Schiffen. Die Bootsanlegestellen befinden sich am "Bund" und die Auswahl reicht vom "Drachenboot" bis zum schnittigen Ausflugsdampfer. Fuer diese (laengste angebotene) Tour zahlen wir (nach Rabattverhandlungen) 15€ pro Person. Die Preise fuer Snacks (Chips, Nuesse...) und Getraenke an Bord sind wirklich moderat. Zum Glueck sind wir ausreichend satt, denn hier gibt es (fuer Shanghaier Verhaeltnis ungewoehnlich - denn eigentlich gibt es hier superviele Essensmoeglichkeiten) keine weitere Auswahl an Speisen.
Die Fahrgaeste sind deutlich international und darunter sind wohl auch chinesische Familien sowie Amerikaner und andere Deutsche (aus Stuttgart ;-); ausserdem einige europaeisch-asiatische Paare. Zwischendurch kommen ueber Lautsprecher Erlaeuterungen in chinesischer, japanischer und englischer Sprache - so im Sinne von: Hoehe des Jinmao-Tower, Laenge der Bruecken und des Flusses sowie deren Rang im Weltvergleich. Dazwischen werden wir mit Musik unterhalten: viele Edith-Piaf-Songs. Fuer die mitfahrenden Kinder wird unter Deck ein Unterhaltungsprogramm geboten: Karaoke-Singen.
Nach dieser sehr schoenen Bootsfahrt (Bilder 2 bis 6) haben wir deutlich Muehe, uns durch die Massen von Menschen zu arbeiten, die am Bund auf abendliche Feiertagsereignisse warten. So voll habe ich Shanghai bislang nicht erlebt. Das liegt wohl an den zahllosen Chinesen "vom Land", die in diesen Tagen in die Stadt stroemen - schon gar nicht auf den Strassen (Bild 1).
Einkaufen
Einkaufen. Ahnte ich es nicht anders, wuerde ich mutmassen, die Chinesen haetten auch das exzessive Einkaufen erfunden - oder waren es doch nicht die Amerikaner!! Einkaufsmoeglichkeiten gibt es praktisch ueberall in jeder Art von Spezialgeschaeften, (riesigen( Kaufhaeusern, auf der Strasse... Gelegentlich wird man auch angesprochen, das ein oder andere zu kaufen - insbesondere von Strassenhaendlerinnen. Besonders auffaellig erscheint mir das gigantische Angebot an Elektroartikeln. Handys, ipods, aber auch Kameras, Laptops, gigantische Bildschirme... Und dann Bekleidung. Von Gucci bis zum Selbstgestrickten kann mann/frau hier alles kaufen. Wobei das Angebot fuer Frauen (und das bei dem Maennerueberschuss) eindeutig ueberwiegt. Bedauerlich fuer mich sind die angebotenen Groessen. Asiatinnen sind durchweg sehr zierlich, so Kleidergroesse 32-36! Da komme ich dann nur selten zum Zuge... Da bleibt dann mehr fuers Kunsthandwerk.
Lebensmittel lassen sich in Shanghai fuer mich am besten im Supermarkt einkaufen. Da sind die Artikel alle ausgepreist, man muss nicht alles erhandeln - sonst zahlt man nur hohe (weisse) Preise. Viele Kaufhaeuser haben im Untergeschoss eine Lebensmittelabteilung. Hier gibt es geradezu alles, aber nicht immer fuer mich lesbar beschriftet - wenn man nicht gerade in einem internationalen Markt einkauft. Sehr gelegentlich kann man von der Verpackung und den Bildchen auf den Inhalt schliessen. Das heisst aber noch lange nicht, dass man den aus Deutschland vertrauten Inhalt ersteht. Schoen ist, das einige Maerkte ein Import-Regal haben. Da kann man vom kaltgepressten Olivenoel aus Griechenland ueber Almdudler bis Nutella so manches liebgewonnene kaufen - wenn auch zu stolzen Preisen. Erfreulich ist fuer mich die Obst- und Gemueseabteilung. Die Auswahl ist gross (besonders an Pilzen - lecker) und die Groesse der Fruechte (Aepfel, Kiwis) liegt deutlich ueber dem deutschen Durchschnitt. Ungewoehnlich finde ich den Abverkauf der Kartoffeln. Diese werden nicht in Abpackungen zu mindestens einem Kilo sondern stueckweise mit 1-2 je Plastikpaeckchen angeboten. Um dem Geruecht, Chinesen essen so manches, weitere Nahrung zu geben. In "meinem" Supermarkt werden neben lebenden Fischen auch lebende Kroeten und Schlangen in nach oben offenen Terrarien angeboten.
Kaese gibt es nur in Plastik eingeschweisst, Joghurt meist in 100g-Bechern - und immer gesuesst.
Unbeschreiblich vielfaltig erscheint mir das Angebot an Bier (auch deutsches) und Nudeln. Nudeln und Fertiggerichte mit Nudeln fuellen ganze Regalwaende. Stehen die Chinesen nicht auch im Ruf diese Teigware erfunden zu haben und nicht die Italiener! Bislang habe ich mich fuer die kollektiven Kochabende nur an das Vertraute getraut - schaumermal.
Lebensmittel lassen sich in Shanghai fuer mich am besten im Supermarkt einkaufen. Da sind die Artikel alle ausgepreist, man muss nicht alles erhandeln - sonst zahlt man nur hohe (weisse) Preise. Viele Kaufhaeuser haben im Untergeschoss eine Lebensmittelabteilung. Hier gibt es geradezu alles, aber nicht immer fuer mich lesbar beschriftet - wenn man nicht gerade in einem internationalen Markt einkauft. Sehr gelegentlich kann man von der Verpackung und den Bildchen auf den Inhalt schliessen. Das heisst aber noch lange nicht, dass man den aus Deutschland vertrauten Inhalt ersteht. Schoen ist, das einige Maerkte ein Import-Regal haben. Da kann man vom kaltgepressten Olivenoel aus Griechenland ueber Almdudler bis Nutella so manches liebgewonnene kaufen - wenn auch zu stolzen Preisen. Erfreulich ist fuer mich die Obst- und Gemueseabteilung. Die Auswahl ist gross (besonders an Pilzen - lecker) und die Groesse der Fruechte (Aepfel, Kiwis) liegt deutlich ueber dem deutschen Durchschnitt. Ungewoehnlich finde ich den Abverkauf der Kartoffeln. Diese werden nicht in Abpackungen zu mindestens einem Kilo sondern stueckweise mit 1-2 je Plastikpaeckchen angeboten. Um dem Geruecht, Chinesen essen so manches, weitere Nahrung zu geben. In "meinem" Supermarkt werden neben lebenden Fischen auch lebende Kroeten und Schlangen in nach oben offenen Terrarien angeboten.
Kaese gibt es nur in Plastik eingeschweisst, Joghurt meist in 100g-Bechern - und immer gesuesst.
Unbeschreiblich vielfaltig erscheint mir das Angebot an Bier (auch deutsches) und Nudeln. Nudeln und Fertiggerichte mit Nudeln fuellen ganze Regalwaende. Stehen die Chinesen nicht auch im Ruf diese Teigware erfunden zu haben und nicht die Italiener! Bislang habe ich mich fuer die kollektiven Kochabende nur an das Vertraute getraut - schaumermal.
Metro
Metro-Fahren. Seit Mitte der Woche - der ersten rudimentaeren Eingewoehnungszeit - und mit freundlicher Unterstuetzung von Jens - fahre ich jetzt auch Metro. Mit der Metro (= U-Bahn) kommt man, mit Tuchfuehlung zu jeder Menge ShanghaierInnen, in interessante Teile der Stadt. Das ist eine spannende Angelegenheit. Die Linie 1, die hier ganz in der Naehe haelt, verbindet den Suedwesten der Stadt mit dem Stadtzentrum und den wichtigsten Einkaufsstrassen sowie dem Bahnhof. Meistens sind die Abteile gut gefuellt - und einen Sitzplatz habe ich bislang noch nicht ergattert. Aber das Stehen in den fast eisig klimatisierten Bahnen ist durchaus angenehm - besonders an schwuelen Tagen. Spannend ist an dieser Metro so manches. Da sind zum einen die Wege. Die Metro-Stationen die ich jetzt besser kenne (das sind drei) haben mehrere Ein/Ausgaenge, die auch in englischer Sprache beschriftet sind; mit Strassennamen, Namen der Kaufhaeuser... Hilfreich sind dabei Plaene, in denen die Endpunkte der bis zu 14 Ausgaenge (Bild 3) eingezeichnet sind. Das ist insofern hilfreich, als das Ueberqueren der (oberirdischen) Strassen deutlich langwieriger und nicht ganz ungefaehrlich ist. Diese Gaenge kann man auch benutzen, wenn man nicht Metro fahren will. Moechte man sich mit einer fuenf Metrolinien fortbewegen, ist das Prinzip ebenso einfach wie genial. Man kauft sich an einem der Ticketschalter eine wiederverwendbare Metrokarte und laedt sie mit einem Betrag auf, den man "abfahren" moechte auf. Man zahlt zwischen 3 und 7 Yuan je Fahrt.
Die Linie 1 faehrt alle paar Minuten in beide Richtungen. Idealerweise stellt man sich an die "Eingangstueren". Die gesamte Breite des Bahnsteigs ist verglast. Und in regelmaessigen Abstaenden befinden sich Schiebetueren. Vor diesen Tueren sind Markierungen: fuer die aus- und die einsteigenden Fahrgaeste. Die chinesichen Schriftzeichen sind zwar fuer mich nicht lesbar aber irgendwie doch eindeutig: die Aussteiger gehen geradeaus aus den Abteilen, die Einsteiger warten an den rechtwinkelig eingezeichneten Balken, bis Platz zum Einsteigen ist (Bild 1).
Und dann kommt die Metro. Der Zug haelt exakt so an dem Gleis, dass sich die Zugtueren unmittelbar hinter den Glasschiebetueren am Bahnsteig befinden. Sobald der Zug richtig steht (manchmal wird etwas nachgebessert), oeffnen sich die Tueren des Zuges und am Bahnsteig nahezu zeitgleich - und heraus/hinein gehts. Am besten sucht man sich sofort einen (Steh-)Platz und einen Haltegriff, denn die Metro faehrt recht zuegig und bremst auch mal abrupt. Die Fahrtrichtung und die naechste Haltestelle wird zwei Mal angesagt, auch auf englisch. Uebersichtsplaene der Fahrtroute sind an jedem Bahnsteig und in den Bahnen. Die Station, an der man ansteigt, ist mit einem Stern auf den Plaenen gekennzeichnet. Die Bahn der entgegengesetzten Richtung faehrt uebrigens am gegenueberliegenden Bahnsteig ab. Alles kommt mir sehr wohl durchdacht vor.
Im Stadtbild findet sich uebrigens nschon reichlich Plakatwerbung. Intensiv werde aber auch die unterirdische Gaenge genutzt - haeufig in beleuchteten Kaesten. Einige mit westlich anmutenden Models und (wie im Westen) auch kindlichen Gesichtern. Die Inhalte und auch die Symbolik ist fuer mich nicht wirklich verstaendlich; aber huebsch bunt und unterhaltsam (Bild 2).
30.09.2007
Shanghai, 28.9.
Museumstag, mein erster - hurra. Das Shanghai Art Museum ist wirklich was besonderes. Auf insgesamt vier Etagen wird alles - thematisch sortiert - ausgestellt, was die chinesische Kultur hervorgebracht hat. Und das ist richtig viel und wirklich bemerkenswert. Ausgestellt sind hier: Bronzen, Skulpturen, Keramiken (Bild 1: Buddha-Figur), Kalligrafien (Bild 2), (Tusche-)Malereien, Siegel, Muenzen, Jade, Ming-und Qing-zeitliche Möbel (Bild 3: Ming-Grabbeigabe) sowie Festkleidung der chinesischen Minderheiten (vieles aus Tibet). Daneben gibt es Ausstellungsraeume mit Sonderthemen. Derzeit: von Tizian bis Goya, Werke aus dem Prado; 5 Jahrhunderte schwedisches Silber. Nach drei Stunden intensivem Schauen, Geniessen und Fotografieren habe ich schon das meiste gesehen; aber in dieses Museum gehe ich gewiss nochmal hin.
Besonders gelungen finde ich das Museums-Shop-Konzept. Im Erdgeschoss kann man auch ohne den Eintrittspreis von 20 Yuan einkaufen: Buecher (meist chinesisch, einige englisch), Tuschebilder, Siegel, Postkarten, Jutetaschen - aber eben nur einen Teil der "Schaetzchen". Auf den Ausstellungsetagen gibt es jeweils eine knubbelige Ecke mit ausgewaehlten, kopierten Arbeiten, die so meisterlich auf der jeweiligen Etage sehen sind. Da kommt man dann hoch inspiriert aus den Ausstellungsraeumen und kauft dann - bevor es mit der Rolltreppe weitergeht - erstmal ein... Das Beuteschema (oder so) greift hier durchaus.
Shanghai, 29.9.
Heute ist die beruehmte Uferpromenade Shanghais auf dem Programm, der Bund. Ein ungewohnt breiter, "höhergelegter" Fussweg mit einem tollen Ausblick auf die Skyline von Pudong (Bild 5), den Fluss Huangpu und die parallel verlaufende ZhongshanDongLu.
Besonders begeistert bin ich vom Fernsehturm (rosa-schillernde Kugeln, Bild 4) und dem Jinmao-Turm (13stöckige Pagode, Bild 7, silberfarben). Flanieren kann man hier zum ersten Mal ausgiebig. Auf Baenken laesst es sich hier vortrefflich verweilen und "Leute gucken". Die Athmosphaere ist herrlich entspannt und angenehm touristisch. Es wird viel fotografiert. Das bietet mir Gelegenheit auch Asiaten, die fuer Fotos posieren, selbst zu fotografieren - zugegeben nicht sehr edel. Langsam verliere ich dabei meine Scheu, Menschen zu fotografieren, die ich gar nicht kenne. Hier die ersten Aufnahmen (Bilder 8-12). Ob es sich dabei immer im Chinesen handelt...?
Uebrigens: Eigentlich heisst dieser Fussweg ZongshanLu, uebersetzt: SunYatsen-Strasse. Der Name "Bund" kommt aus dem Anglo-Indischen und bedeutet Kaimauer (siehe ReiseKnowHow, Chinas Osten ;-) Die klassisch anmutenden Bauten der ZhongshanDongLu sind im Tudor-Stil und zeugen vom fruehen Prunk westlicher Shanghai-Bewohner (Bild 6)
Shanghai, 30.9.
Heute denke ich besonders oft an meine Mutter, die heute ihren 77. Geburtstag feiert. Nochmal: ganz herzlichen Glueckwunsch und liebe Gruesse :-))
Der Antikmarkt (Bild 13) suedlich vom People's Square ist ein besonders spannender Ort in Shanghai fuer mich. Hier sieht man die tollen Hochhaeuser etwas entfernt und das Leben spielt sich auf der Strasse ab - und zwar irgendwie nicht so hastig. Im Erdgeschoss der zweigeschossigen Haeuser sind kleine Laedchen und davor stehen auch noch jede Menge Pavillons und Staende mit allem, was man sich unter chinesischen Antiquitaeten/Troedel/Kunsthandwerk/... vorstellen kann. Haeufig sieht man Stuecke aus der Zeit der Kulturrevolution: Mao auf dutzenden verschiedener Anstecker, Mao in Porzellan von 10 bis 50cm Höhe, Mao als Bueste, stehend oder sitzend in unterschiedlichem Lebensalter und Posen. Dann Uniformen und Kappen in Olivgruen mit dem roten Stern; Mao-Bildnisse auf Tellern und Plakaten...
Besonders beeindruckt mich die Vielzahl von kunsthandwerklichen Objekten. Und ich fuerchte, hier lasse ich meine letzten Yuans...
Da sind zunaechst die Keramiken; haeufig Repliken von Objekten, wie ich sie vorgestern im ShanghaiArtMuseum gesehen habe: Vasen, Teller, Skulpturen von Menschen und Tieren; sensationell. Gerne wuerde ich die Replik einer Tang-zeitlichen Figur erstehen. Aber irgendwann ist das Geld (fuer heute ;-) alle.
Dann viele Bronze- und Silber-aehnliche Arbeiten, auch kombiniert mit Jade/Halbedelsteinen/?; wunderschön gearbeitete Möbelschlösser, Muenzen, Raeuchergefaesse, Kultgegenstaende, Löwenplastiken... Apropos Löwe. Ein Löwenpaerchen in Silber-Machart habe ich mir heute erhandelt. Man sieht diese eindrucksvollen, wenn auch keineswegs naturgetreuen Geschöpfe ganz haeufig im Stadtbild. Man trifft sie immer paarweise an: einen maennlichen Löwen, der mit einem Ball spielt und eine Löwin mit einem Löwenjungen. Beide Figuren schauen ein bisschen grollend und gelten vielleicht auch deshalb als Hueter und Beschuetzer.
Ausserdem finden sich hier Arbeiten aus Holz, Stoff, kunstvoll bemalt und/oder lackiert.
Fast alles ist schön gearbeitet und in einer Fuelle und Verschiedenheit ausgestellt, dass es einen schwindelt. Ich werde hier gewiss nochmal hingehen und nach schönen Stuecken suchen. Auf echte Antiquitaeten kommt es mir dabei gar nicht an, denn die duerfte ich vermutlich gar nicht ausfuehren. Und dann werde ich mir auch Zeit nehmen, mehr zu fotografieren.
Mit dem Handeln klappt es schon ganz gut. Auch wenn es mir durchweg an geeigneten Sprachkenntnissen mangelt, gibt es doch Taschenrechner. Das geht ungefaehr so vonstatten. Findet man Interesse an einem Objekt kann man das (internationale?) Handzeichen anwenden: das Reiben des Zeigefingers am Daumen, vielleicht noch unterstuetzt durch mehrmaliges Tippen des Zeigefingers auf die Handflaeche. Der Haendler (haeufig auch Frauen) tippt dann einen Betrag in den Taschenrechner, der (zugegebenermassen) fuer Touristen durchaus erschwinglich waere. Dann kann man erstmal entgeistert schauen, abwinken... Und man kann (vorzugsweise) auf englisch lamentieren und selbst einen Preis (10% des verlangten oder so) eintippen. Das ist natuerlich zu wenig und so wechselt man sich ein Weilchen ab, bis man einen einvernehmlichen Preis verhandelt.
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