26.10.2007

Schlussbetrachtung: Einleitung



Jetzt bin ich schon wieder ein paar Tage in Deutschland und der wohlvertraute Alltag bestimmt mein Leben – ein durchaus angenehmes Gefuehl. Allerdings: Mein Herz und Kopf sind noch ganz erfuellt von dem Gesehenen und Erlebten. Und irgendwie fehlt in diesem Reisetagebuch noch etwas fuer mich. So eine kleine Schlussbetrachtung und noch ein paar Bilder...

Und hier auch noch ein paar persönliche Buchempfehlungen:
Meine Vorbereitungs- und Reisebuecher:
Oliver Fuelling: Chinas Osten mit Beijing und Shanghai. Reise Know-How Verlag Peter Rump
David Leffmann, Simon Lewis & Jeremy Atiyah: China. Der Osten. Stefan Loose Travel Handbuecher
Anke Kausch: China. Dumont Reiseverlag

Ergaenzend fuer einen runderen Hintergrund:

Hanne Chen: KulturSchock. Reise Know-How Verlag Peter Rump
Birgit Zinzius: China entdecken. Verlag C.H.Beck
Und wenn die Zeit noch reicht:
Yu-Chien Kuan, Petra Haering-Kuan: Der China-Knigge

Unterhaltsame Reiselektuere ueber das Leben in China:
Lisa Huang: Jade. AufbauTaschenVerlag
Herbert Rosendorfer: Briefe in die chinesische Vergangenheit.

Schlussbetrachtung: Die Menschen





























Fasziniert war ich besonders von den Gesichtern der Menschen. Ich haette – wenn es nicht so unhoeflich waere – am liebsten den ganzen Tag nur Menschen angeschaut - und noch mehr fotografiert.

Schlussbetrachtung: Die Städte und die Landschaften









Die Staedte und die Landschaften: Mein eindeutiger Favorit ist Shanghai. Diese Stadt ist fuer mich mittlerweile spannender als New York City. Und das liegt auch daran, dass hier auch nachts fleissige Menschen unermuedlich bauen und (hupend) unterwegs sind statt zu schlafen. Hier tut sich unglaublich viel und die Flut der Eindruecke ist mehrfach sinnenberauschend, sicht-, hoer- und riechbar. Da kommen ganze Flutwellen und das ist manchmal auch anstrengend. Vor allem aber ist die Stadt kosmopolitisch – auch was die Vielfalt der Restaurants angeht. Trendige Kleidung habe ich hier nicht wirklich gesehen, das originellste waren ein Punkfrisuren. Aber dafuer viel Phantasie – beispielsweise auf den Hochhausdaechern.

Ab Beijing habe ich viel huegeliges Land gesehen, nicht so sanft wie in meiner hessischen Heimat sondern etwas steiler mit teilweise ausgepraegten Bergruecken. Bilder der Grossen Mauer vermitteln diesen Eindruck sehr gut. Das Land ist meist bewaldet und sehr gruen und wasserreich. Das hat mich inspiriert, dieses Land auch ein stueckweit zu Fuss zu erkunden, was ich teilweise auch wahr gemacht habe.

Uebrigens: Die Grosse Mauer zaehlt neben dem Sommerpalast und dem kleinen Potalapalast in Chengde zu meinen persoenlichen Glanzlichtern der Reise.

Schlussbetrachtung: Die Kunst...

Die Kunst: Als bekennende Kunstinteressierte habe ich mir regelmaessig Kunst in Museen und Galerien angesehen. Vor allem hat mich die historische Kunst fasziniert mit ihrem ausgepraegten Sinn fuer Details. Das laesst sich auf allen Medien sehen: Bronze, Jade, Papier, Stein, Metall und Keramik. Wobei die Besonderheit des Materials in perfekter Weise zum Ausdruck kommt. Die historische, traditionelle, museale Kunst ist von einer besonderen Perfektion und unnachahmlichen Originalitaet – und teilweise von zeitloser Schoenheit.
In den Galerien – meistens werden hier Tusche- und einige Oelbilder verkauft– finden sich ueberwiegend traditionelle Motive und Malweisen. Die wenigen anderen Bilder sind in der Regel konkrete Darstellungen von Menschen – sehr gekonnt ausgefuehrt, aber nicht immer mit einem unverwechselbaren Ausdruck. Nur ganz selten habe ich im europaeischen Sinne moderne Bilder gesehen. Vielleicht habe ich die richtigen Orte nicht gefunden oder es gibt sie derzeit so nicht oder...

Die Sprache: Das hat mich wirklich beschaeftigt – diese Sprachlosigkeit. Eine theoretische Vorstellung habe ich ja schon waehrend des Chinesisch-Kurses bekommen. Aber was es bedeutet, tatsaechlich als Nicht-Gruppenreisende in einer chinesischen Grossstadt unterwegs zu sein, das laesst sich vielleicht so beschreiben – wobei ich keineswegs jammervoll wirken moechte, denn ich empfinde China trotz und mit allem als ein besonderes Erlebnis, das mich auch persoenlich weiter gebracht hat.
Ausser an grossen Strassen und an den Importprodukten findet sich keine mir verstaendliche Schrift, alles steht in chinesischen Schriftzeichen, die teilweise aus vielen kleinen Linien bestehen - sehr nuancenreich. Ich konnte nicht mal annaehernd feststellen, was die Zeichen heissen/bedeuten - und habe es auch nicht wirklich intensiv probiert. Im Supermarkt habe ich also ausschliesslich nur jene Produkte gekauft, an denen sich lateinische Buchstaben befanden. Denn ich konnte weder ueber die Verpackung noch ueber die (nur gelegentlich) aufgedruckten Bilder erkennen, um welches Produkt es sich handelt und/oder wie man es zubereitet. Und vor allem: wenn nicht gerade jemand (durch teuer bezahlte Extra-Schulstunden) etwas englisch sprechen konnte war ich nicht in der Lage mich zu unterhalten – so tagsueber, unterwegs in der Stadt. Was mir blieb war das schauen, das genaue hinschauen.

Das Essen: Diese Chinareise war fuer mich auch ein lukullisches Erleben. Alles zu probieren sofern es gegart oder geschaelt war, habe ich mir zum Prinzip gemacht und viel Besonderes kennengelernt.
Die Gruppen-Tischsitte, alles in die Mitte zu stellen und jeder greift von allem mit seinen Staebchen zu, gefaellt mir unter dem Geselligkeitsaspekt und ueberhaupt besonders gut.
Dem Eindruck, alle Chinesen essen gerne und viel Reis, sei hier, zumindest fuer die von mir bereiste Gegend entschieden widersprochen. Fast alle Gerichte enthalten Fleisch – viel Fleisch und Gemuese. Reis gibt es nur, wenn man nicht wirklich satt geworden sein sollte – und den muss man auch extra bestellen, automatisch gibt’s den nicht.
Eine Anekdote sei hier noch erwaehnt. Mein kleines taegliches Ritual bestand darin, am fruehen Nachmittag eine Tasse Kaffee zu trinken. Aus dem Finden eines diesen Wunsch erfuellenden Lokals wurde zeitweise eine Jagd. Und fast immer habe ich eine Tasse frisch gemahlenen und mit aufgeschaeumter Kuhmilch gekroenten Kaffee bekommen – am einfachsten in Shanghai. Da gab es von Espresso bis zum Cappuccino alles fuer einen Preis zwischen 2,50 bis 3,80€.
Vergleichsweise ungewohnt und mit einem unangenehmen Ueberraschungsfaktor versehen habe ich den Kaffee im Pappbecher empfunden, der mit heissem Wasser aufgebrueht wird. Der Preis fuer dieses Heissgetraenk im Sommerpalast: 5 Yuan = 0,5€. Und eigentlich denkt man da an die Marke Nescafé und erfreut sich an dem dunkelbraunen Becher mit dem Aufdruck einer golden befluegelten und herzbewaehrten Kaffeetasse. Aber: neben einer braeunlich-milchigen, stark gesuessten und nur wage an Kaffee erinnernden Fluessigkeit enthaelt der Becherinhalt noch Geleestueckchen in Sago-Konsistenz. Beim Entdecken des ungewohnten Inhalts habe ich dann doch meinem unangenehmen Empfinden nachgegeben und nicht ausgetrunken... Eine halbe Stunde spaeter gab es dann doch noch koestlichen Cappuccino mit einem fantastischen Blick gratis auf den See.

Schlussbetrachtung: Die Farben








Ein Geldschein aus dem Shanghai Art Museum (kein Wandteppich ;-)
























Die Farben Chinas sind fuer mich rot und gelb. Das Rot – ein tiefer satter Ton, wie ihn reife Tomaten haben. Diese Farbe habe ich ganz oft gesehen und fotografiert – auf Fahnen, Lampions, Pepperonis ;-), Tueren, Lackarbeiten, Siegelabdruecke, Kraenen...
Und dann ist da noch ein goldenes Gelb. So ein gelb wie bei reifen Maiskoernern. Das ist auch die kaiserliche Farbe; jene die immer wieder in den kaiserlichen Gebaeuden praesent ist und an den unzaehligen Mais-Kolben auf Blechdaechern, Fensterbaenken – gesehen auf der Zugfahrt nach Chengde. Und dann ist da natuerlich noch das goldgelb der Tempel.