Shanghai, 28.9.
Museumstag, mein erster - hurra. Das Shanghai Art Museum ist wirklich was besonderes. Auf insgesamt vier Etagen wird alles - thematisch sortiert - ausgestellt, was die chinesische Kultur hervorgebracht hat. Und das ist richtig viel und wirklich bemerkenswert. Ausgestellt sind hier: Bronzen, Skulpturen, Keramiken (Bild 1: Buddha-Figur), Kalligrafien (Bild 2), (Tusche-)Malereien, Siegel, Muenzen, Jade, Ming-und Qing-zeitliche Möbel (Bild 3: Ming-Grabbeigabe) sowie Festkleidung der chinesischen Minderheiten (vieles aus Tibet). Daneben gibt es Ausstellungsraeume mit Sonderthemen. Derzeit: von Tizian bis Goya, Werke aus dem Prado; 5 Jahrhunderte schwedisches Silber. Nach drei Stunden intensivem Schauen, Geniessen und Fotografieren habe ich schon das meiste gesehen; aber in dieses Museum gehe ich gewiss nochmal hin.
Besonders gelungen finde ich das Museums-Shop-Konzept. Im Erdgeschoss kann man auch ohne den Eintrittspreis von 20 Yuan einkaufen: Buecher (meist chinesisch, einige englisch), Tuschebilder, Siegel, Postkarten, Jutetaschen - aber eben nur einen Teil der "Schaetzchen". Auf den Ausstellungsetagen gibt es jeweils eine knubbelige Ecke mit ausgewaehlten, kopierten Arbeiten, die so meisterlich auf der jeweiligen Etage sehen sind. Da kommt man dann hoch inspiriert aus den Ausstellungsraeumen und kauft dann - bevor es mit der Rolltreppe weitergeht - erstmal ein... Das Beuteschema (oder so) greift hier durchaus.
Shanghai, 29.9.
Heute ist die beruehmte Uferpromenade Shanghais auf dem Programm, der Bund. Ein ungewohnt breiter, "höhergelegter" Fussweg mit einem tollen Ausblick auf die Skyline von Pudong (Bild 5), den Fluss Huangpu und die parallel verlaufende ZhongshanDongLu.
Besonders begeistert bin ich vom Fernsehturm (rosa-schillernde Kugeln, Bild 4) und dem Jinmao-Turm (13stöckige Pagode, Bild 7, silberfarben). Flanieren kann man hier zum ersten Mal ausgiebig. Auf Baenken laesst es sich hier vortrefflich verweilen und "Leute gucken". Die Athmosphaere ist herrlich entspannt und angenehm touristisch. Es wird viel fotografiert. Das bietet mir Gelegenheit auch Asiaten, die fuer Fotos posieren, selbst zu fotografieren - zugegeben nicht sehr edel. Langsam verliere ich dabei meine Scheu, Menschen zu fotografieren, die ich gar nicht kenne. Hier die ersten Aufnahmen (Bilder 8-12). Ob es sich dabei immer im Chinesen handelt...?
Uebrigens: Eigentlich heisst dieser Fussweg ZongshanLu, uebersetzt: SunYatsen-Strasse. Der Name "Bund" kommt aus dem Anglo-Indischen und bedeutet Kaimauer (siehe ReiseKnowHow, Chinas Osten ;-) Die klassisch anmutenden Bauten der ZhongshanDongLu sind im Tudor-Stil und zeugen vom fruehen Prunk westlicher Shanghai-Bewohner (Bild 6)
Shanghai, 30.9.
Heute denke ich besonders oft an meine Mutter, die heute ihren 77. Geburtstag feiert. Nochmal: ganz herzlichen Glueckwunsch und liebe Gruesse :-))
Der Antikmarkt (Bild 13) suedlich vom People's Square ist ein besonders spannender Ort in Shanghai fuer mich. Hier sieht man die tollen Hochhaeuser etwas entfernt und das Leben spielt sich auf der Strasse ab - und zwar irgendwie nicht so hastig. Im Erdgeschoss der zweigeschossigen Haeuser sind kleine Laedchen und davor stehen auch noch jede Menge Pavillons und Staende mit allem, was man sich unter chinesischen Antiquitaeten/Troedel/Kunsthandwerk/... vorstellen kann. Haeufig sieht man Stuecke aus der Zeit der Kulturrevolution: Mao auf dutzenden verschiedener Anstecker, Mao in Porzellan von 10 bis 50cm Höhe, Mao als Bueste, stehend oder sitzend in unterschiedlichem Lebensalter und Posen. Dann Uniformen und Kappen in Olivgruen mit dem roten Stern; Mao-Bildnisse auf Tellern und Plakaten...
Besonders beeindruckt mich die Vielzahl von kunsthandwerklichen Objekten. Und ich fuerchte, hier lasse ich meine letzten Yuans...
Da sind zunaechst die Keramiken; haeufig Repliken von Objekten, wie ich sie vorgestern im ShanghaiArtMuseum gesehen habe: Vasen, Teller, Skulpturen von Menschen und Tieren; sensationell. Gerne wuerde ich die Replik einer Tang-zeitlichen Figur erstehen. Aber irgendwann ist das Geld (fuer heute ;-) alle.
Dann viele Bronze- und Silber-aehnliche Arbeiten, auch kombiniert mit Jade/Halbedelsteinen/?; wunderschön gearbeitete Möbelschlösser, Muenzen, Raeuchergefaesse, Kultgegenstaende, Löwenplastiken... Apropos Löwe. Ein Löwenpaerchen in Silber-Machart habe ich mir heute erhandelt. Man sieht diese eindrucksvollen, wenn auch keineswegs naturgetreuen Geschöpfe ganz haeufig im Stadtbild. Man trifft sie immer paarweise an: einen maennlichen Löwen, der mit einem Ball spielt und eine Löwin mit einem Löwenjungen. Beide Figuren schauen ein bisschen grollend und gelten vielleicht auch deshalb als Hueter und Beschuetzer.
Ausserdem finden sich hier Arbeiten aus Holz, Stoff, kunstvoll bemalt und/oder lackiert.
Fast alles ist schön gearbeitet und in einer Fuelle und Verschiedenheit ausgestellt, dass es einen schwindelt. Ich werde hier gewiss nochmal hingehen und nach schönen Stuecken suchen. Auf echte Antiquitaeten kommt es mir dabei gar nicht an, denn die duerfte ich vermutlich gar nicht ausfuehren. Und dann werde ich mir auch Zeit nehmen, mehr zu fotografieren.
Mit dem Handeln klappt es schon ganz gut. Auch wenn es mir durchweg an geeigneten Sprachkenntnissen mangelt, gibt es doch Taschenrechner. Das geht ungefaehr so vonstatten. Findet man Interesse an einem Objekt kann man das (internationale?) Handzeichen anwenden: das Reiben des Zeigefingers am Daumen, vielleicht noch unterstuetzt durch mehrmaliges Tippen des Zeigefingers auf die Handflaeche. Der Haendler (haeufig auch Frauen) tippt dann einen Betrag in den Taschenrechner, der (zugegebenermassen) fuer Touristen durchaus erschwinglich waere. Dann kann man erstmal entgeistert schauen, abwinken... Und man kann (vorzugsweise) auf englisch lamentieren und selbst einen Preis (10% des verlangten oder so) eintippen. Das ist natuerlich zu wenig und so wechselt man sich ein Weilchen ab, bis man einen einvernehmlichen Preis verhandelt.
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